Betriebsberatung, Steuerberatung, Südtiroler Landwirt | 03.02.2022

Fördergeld für „intelligente Technik“

Wer Maschinen oder Anlagen mit den Merkmalen der sogenannten Industrie 4.0 ankauft und dafür den ­Steuerbonus für Neuinvestitionen und/oder den Sabatini-Beitrag in Anspruch nimmt, geht einige ­Verpflichtungen ein. Ein Überblick.

Zu den Geräten der „Industrie 4.0“ gehören unter anderem auch Entmistungsroboter. Foto: Agrarfoto.com

Zu den Geräten der „Industrie 4.0“ gehören unter anderem auch Entmistungsroboter. Foto: Agrarfoto.com

Mit Einführung des Steuerbonus für Neuinvestitionen in der Landwirtschaft im Jahr 2020 und der erhöhten Sabatini-Förderung für Maschinen bzw. Anlagen mit den Merkmalen der „Industrie 4.0“ sind die Investitionen in diesen Bereichen stark gestiegen. Mit intelligenten, computergesteuerten Techniken (sog. Impresa 4.0) ausgestattet sind mittlerweile u. a. Traktoren, Transporter, zweiachsige Mähgeräte, Hebebühnen, Sprüher, Mähmaschinen, aber auch Geräte für die Melk- und Fütterungstechnik sowie zur Produktweiterverarbeitung. Der Ankauf solcher Maschinen und Anlagen wird vom Staat stark gefördert, im Sinne des technologischen Fortschritts. Gleichzeitig geht der Käufer damit aber ­einige Verpflichtungen über einen längeren Zeitraum ein. Diese müssen unbedingt eingehalten werden, damit es im Falle einer Kontrolle keine böse Überraschung gibt. 

Bestellung und weitere Schritte

Es ist wichtig, dass man vor der Bestellung vom Verkäufer bzw. Hersteller eine schriftliche Erklärung bezüglich der „Industrie 4.0“-Tauglichkeit der bestellten Maschine oder Anlage erhält (z. B. in der Angebotsphase). Damit kann sichergestellt werden, dass die Maschine bzw. Anlage nach dem Kauf die gesetzlich notwendigen technischen Voraussetzungen erfüllt.

Bei Maschinen bzw. Anlagen mit einem Gesamtwert unter 300.000 Euro kann der Käufer eine Eigenerklärung bzgl. der „Industrie 4.0“-Tauglichkeit ausstellen. Damit übernimmt dieser die volle Verantwortung und erklärt, dass die Maschine bzw. Anlage in der Anlage A des Gesetzes 232/2016 enthalten ist und die gesetzlichen technischen Voraussetzungen eingehalten werden. Zudem bestätigt er noch, dass die Vernetzung, die sogenannte „interconnessione“, fachgerecht vorgenommen wurde. Bei Maschinen oder Anlagen mit einem Gesamtwert über 300.000 Euro muss der Käufer einen technischen Sachverständigen (z. B. „Perito industriale“, Ingenieur, Agronom, dipl. Agrartechniker) beauftragen, ein beeidetes technisches Gutachten (­„peri­zia­ asseverata“) zu erarbeiten. 

Vereidigtes Gutachten empfohlen

Der Südtiroler Bauernbund empfiehlt jedoch in jedem Fall, nicht nur ein beeidetes Gutachten („perizia asseverata“) eines Sachverständigen, sondern ein vereidigtes Gutachten („perizia giurata“) in Auftrag zu geben, und zwar auch für Maschinen bzw. Anlagen mit einem Wert unter 300.000 Euro. Die Eigenerklärung wird hingegen nicht empfohlen. Damit übernimmt der Gutachter die Verantwortung und erklärt, dass die Maschine bzw. Anlage in der Anlage A des genannten Gesetzes (232/2016) enthalten ist, dass die gesetzlichen technischen Voraussetzungen eingehalten werden und die Vernetzung („interconnessione“) umgesetzt wurde. 

Dokumente für das Gutachten

Die folgenden technischen Dokumente des Investitionsgutes sind für das Gutachten zwingend notwendig:

  • CE-Konformitätserklärung;
  • Wartungs- und Betriebsanleitung;
  • Installationszeichnung bei Anlagen;
  • Inbetriebnahme-Protokoll der Installationsfirma;
  • Erklärung vom Verkäufer/Hersteller bzgl. „Industrie 4.0“-Tauglichkeit der Maschine/Anlage.

Die notwendige kaufmännische Dokumentation des Investitionsgutes umfasst: 

  • Angebot;
  • Auftragsbestätigung;
  • Lieferschein;
  • Rechnungen/Leasingvertrag;
  • Bezahlungs-/Überweisungsbestätigungen.

Wichtig ist, dass auf allen genannten Dokumenten, welche mit dem Kauf zusammenhängen, die richtige Gesetzesnorm in Bezug auf den Steuerbonus für Neuinvestitionen und/oder die Sabatini-Förderung angeführt ist.

Was macht der Gutachter?

Der beauftragte Gutachter kommt nach Terminvereinbarung auf den Hof und wird gemeinsam mit dem Käufer die Maschine bzw. Anlage anschauen, fotografieren und kontrollieren. Kontrolliert wird dabei, ob alle Funktionen laut Dokumentation gegeben und funktionstüchtig sind. Der Gutachter wird dann alle gesetzlichen technischen Voraussetzungen an der Maschine bzw. Anlage prüfen und im Gutachten nachweislich beschreiben. Er wird auch eine Kopie der gesamten Nachweisdokumente verlangen. Sollte ein Problem auftauchen (z. B. eine Voraussetzung wurde nicht eingehalten), kann man mit dem Gutachter die weiteren Schritte besprechen. 

Was bekommt man vom Gutachter?

Der Gutachter wird für den Käufer bzw. Landwirt ein technisches Gutachten „Industrie 4.0“ (inklusive einer technischen Analyse) für die Maschine bzw. Anlage erstellen und übermitteln.

Das Gutachten „Industrie 4.0“ kann man dann der Bauernbund-Steuerberatung bzw. dem eigenen Steuerberater übergeben, damit die weiteren Schritte zum Verrechnen des Steuerguthabens in die Wege geleitet werden. Um eine fachgerechte Installation nachweisen zu können und um bei zukünftigen Kontrollen gut gerüstet zu sein, empfiehlt der Südtiroler Bauernbund – wie bereits erwähnt – ein vereidigtes technisches Gutachten für alle Maschinen und Geräte.­

Verpflichtungen für den Käufer 

Die Maschine bzw. Anlage muss zwingend die technischen Voraussetzungen aufweisen und einhalten. Infolgedessen müssen die Auflagen nicht nur zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme bestehen, sondern über die gesamte Lebenszeit des Gutes, mindestens jedoch für den gesamten Verrechnungszeitraums des Steuerguthabens bzw. des Sabatini-Beitrags. 

Das bedeutet zum Beispiel bei einer mobilen Maschine wie einem Traktor, dass die GPS-Koordinaten (Standort) jederzeit durch die vom Verkäufer oder Hersteller zur Verfügung gestellte Software bzw. App abrufbar sein müssen. Das bedeutet aber auch, dass die Online-Kommunikation zwischen Maschine und Software (App) immer funktionieren muss.

Das Gleiche gilt für die Fernwartung: Der Verkäufer bzw. Hersteller muss sich jederzeit online mit der Maschine oder Anlage verbinden und somit den Zustand sowie die Parameter der Maschine einsehen bzw. verändern können. Die Vernetzung und die Verwendung im Sinne des technologischen Fortschritts dürfen also nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern müssen auch in der Praxis jederzeit und ununterbrochen vorhanden und nachweisbar sein. 

Vorbereitung auf mögliche Kontrollen

Die Behörde geht bei einer eventuellen Kontrolle dieselben Schritte durch wie der Gutachter. Zuallererst wird sie das Gutachten „Industrie 4.0“ verlangen, alle gesetzlichen technischen Voraussetzungen an der Maschine bzw. Anlage prüfen sowie auf Vorhandensein und Funktion kontrollieren. Dann erfolgt die Prüfung der Software (App), die mit der Maschine online kommuniziert. Deshalb ist es wichtig, dass der Landwirt selbst mit den Computertechnologien arbeitet, dabei selbst imstande ist, in das System einzusteigen, und dies auch periodisch macht. Die von der Maschine oder Anlage erzeugten Daten sollten mittels sogenannter Reports periodisch (z. B. monatlich) abgespeichert und ausgewertet werden. Darauf aufbauend sollten für die Maschine bzw. Anlage selbst Aufträge (sog. „ordini di lavoro“) erstellt werden.

Man muss sich im Klaren sein, dass in dieser Software oder App auch die vergangenen GPS-Koordinaten der Maschine gespeichert werden. Damit sieht man, wo sich die Maschine aufgehalten und bewegt hat – z. B. wenn die Maschine auf dem Nachbarsfeld Tätigkeiten ausgeführt hat. Vorsicht ist hier insbesondere dann geboten, wenn der Vater oder die Mutter und der Sohn bzw. die Tochter oder ein Ehepartner bzw. Lebenspartner über eigenständige Betriebe verfügen. Infolgedessen muss man vor Tätigkeitsbeginn (z. B. Arbeiten mit dem geförderten Traktor auf den Betriebsflächen des Ehepartners) dies u. a. steuerrechtlich und arbeitsrechtlich abklären, falls die Tätigkeit mit landwirtschaftlichen Arbeitern ausgeführt wird. Falls nötig, ist dies bei den öffentlichen Ämtern ordnungsgemäß anzumelden.

Sperrfristen beachten

Die Sabatini-Förderung sieht vor, dass geförderte Geräte für einen Zeitraum von drei Jahren ab Investitionsabschluss weder verkauft, abgetreten oder zerstört werden dürfen. Falls dies dennoch erfolgt, ist dies dem Wirtschaftsministerium mitzuteilen. Wird die Maschine in Nutzungsleihe („prestito d’uso“) übergeben, muss der diesbezügliche Vertrag ebenfalls vorab übermittelt werden.

Für den Steuerbonus für Neuinvestitionen gilt hingegen eine Sperrfrist von zwei Jahren. Diese sieht vor, dass im Falle eines Verkaufs des begünstigen Gutes vor Ablauf dieser Frist der bereits verrechnete Steuerbonus zu­rückgezahlt werden muss. Wird das begünstigte Anlagegut hingegen nach der Sperrfrist von zwei Jahren verkauft, so muss zwar der bereits genossene Steuerbonus nicht zurückgezahlt werden, die noch ausstehenden Raten können jedoch nicht mehr weiterverrechnet werden. Sie gehen somit verloren, da sie auch nicht auf den Käufer übertragen werden können. Tritt einer dieser Umstände ein, so müssen die zuständigen Mitarbeiter beim Südtiroler Bauernbund bzw. der eigene Steuerberater darüber informiert werden. Zu beachten ist auch, dass ausschließlich Betriebe zur Verrechnung des Steuerbonus berechtigt sind, welche mit den Zahlungen der Sozialversicherungsbeiträge in Ordnung sind und die Bestimmungen im Bereich Arbeitssicherheit einhalten.

Beteiligte frühzeitig einbinden

Es wird empfohlen, den Gutachter und die Abteilung Steuerberatung im Südtiroler Bauernbund (oder den eigenen Steuerberater) sowie die Abteilung Betriebsberatung im Bereich der Sabatini-Förderung schon vor bzw. bei der Bestellung der Maschine/Anlage mit einzubeziehen, damit eventuelle Probleme schon in der Anfangsphase gelöst werden können. Zudem ist es notwendig, die neuen computergesteuerten Technologien auch nach dem Kauf effektiv zu nutzen, um bei einer Kontrolle nicht das Risiko einzugehen, das Steuerguthaben bzw. die genossene Förderung zu verlieren. Falls Änderungen eintreten oder außerhalb des eigenen Betriebs gearbeitet wird, ist dies ebenfalls in steuerrechtlicher und fördertechnischer Hinsicht zu prüfen.