Südtiroler Bäuerinnenorganisation | 17.03.2022

Wir haben die Taube in der Hand

Sehen und wertschätzen, was Bäuerinnen und Bauern an ihren Höfen haben, lautet die Botschaft des ­Landesbäuerinnentages 2022. Ein erster Schritt dazu war die diesjährige Veranstaltung schon: Das Auditorium Josef Haydn war wieder gut gefüllt, die Stimmung auf Aufbruch. von Renate Anna Rubner

Beinahe vor-pandemisch war die Stimmung beim diesjährigen Landesbäuerinnentag. Foto: SBO

Beinahe vor-pandemisch war die Stimmung beim diesjährigen Landesbäuerinnentag. Foto: SBO

„Sperren wir unsere Augen auf“, forderte Richard Mahlknecht zur Eröffnung des Wortgottesdienstes beim diesjährigen Landesbäue­rinnentages auf, „denn es gibt viel zu sehen und zu entdecken!“ Landesbäuerin Antonia Egger knüpfte daran an, fasste die Botschaft an „ihre Bäuerinnen“ aber noch weiter: „Lasst uns das Gute sehen, denn das gibt uns Kraft und Motivation, die wir brauchen, um unsere Betriebe und Familien in die Zukunft zu führen.“ Deshalb habe der Landesbäuerinnenrat als diesjähriges Motto  der Veranstaltung „Wir haben es in der Hand“ gewählt. „Das mag für so manche von euch zu einfach klingen“, räumte Egger ein, denn die Ansprüche von Kundinnen und Kunden, von der Gesellschaft seien hoch. Aber: „Auch wir sind Konsumentinnen!“, deshalb müsse sich jede beim Blick in ihren Einkaufswagen die Frage stellen: „Kaufe ich denn regional? Entspreche ich den Erwartungen, die wir Bauern an die Kunden stellen?“

Antonia Egger nannte auch die vielen Herausforderungen, denen Bäuerinnen und Bauern sich zunehmend stellen müssen: Vom Tierwohl über die steigenden Energie- und Produktionskosten bis hin zur Entfremdung der Gesellschaft von der Natur und von der Landwirtschaft. Deshalb sei es wichtig, mit den Konsumentinnen und Konsumenten zu kommunizieren, ihnen die Landwirtschaft zu erklären und vor allem den Kindern die landwirtschaftlichen Produkte heimischer Herkunft näherzubringen.

Sehnsucht nach Erlebnissen, Echtem und Beständigem

Heike Zeller gab der Landesbäuerin recht. Die Inhaberin von aHEU – Regionale Vermarktungsstrategien appellierte an die Bäue­rinnen: „Ihr habt sowohl Lebensmittel in der Hand als auch die Kommunikation!“ Sie ging von der These aus, dass viele Menschen der Wohlstandsgesellschaft Sehnsucht haben nach Erlebnissen, Echtem und nach Beständigkeit. All dies können Bäuerinnen und Bauern leben und auch vermitteln. Zeller hielt die Zuhörerinnen dazu an, sich die aktuellen Lebensmitteltrends zu eigen zu machen: Das Angebot reiche von innovativen Produkten aus heimischer Landwirtschaft über neue Vermarktungswege wie Patenschaften oder Lieferservice bis hin zum Einblick der Kundinnen und Kunden in den Hof. Das könne verstärkt werden, indem man die Menschen an der täglichen Arbeit teilhaben lässt: über die Sozialen Medien. Das sei zwar mit Arbeit verbunden, es koste aber kein Geld. „So kann man die Wertschätzung der Menschen für die Landwirtschaft steigern, weil das Verständnis für die tägliche Arbeit von Bäuerinnen und Bauern wächst.“ Ein weiterer Vorteil: „Wer sich so mit dem eigenen Hof auseinandersetzt, beginnt, ihn auch mit neuen Augen zu sehen“, prophezeite Zeller und riet den Bäuerinnen und Bauern, sich klarzumachen, welchen Reichtum sie mit dem Hof und der Landwirtschaft haben. „Ihr habt die Taube in der Hand!“, meinte sie zum Abschluss.

Beinahe vor-pandemisch war das Bild, das die Bäuerinnen im Auditorium Josef Haydn in diesem Jahr wieder boten: Beinahe voll besetzte Ränge in bunten Trachten. Die lange Abstinenz tat ihr Übriges für eine gute Stimmung im Saal. Dazu eine humoristische Einlage vom Malser Ludwig Fabi mit seiner „Hennaschtund“, die Kür der Bäuerin des Jahres und die Witwenehrung, die mit stehenden Ovationen und Applaus bedacht wurden (siehe eigene Berichte auf S. 10 und 11 in der Ausgabe 5 des „Südtiroler Landwirt“ vom 18. März, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App). 

Grußworte des Aufbruchs

Grußworte an die Bäuerinnen gab es von Landesrätin Waltraud Deeg zum Thema Ehrenamt: Sie gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die ehrenamtliche Initiative vielleicht sogar gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervorgehen wird. Ihre Kollegin Maria Hochgruber Kuenzer stellte klar, dass die bäuerlichen Familien unser Land in die Zukunft tragen, nicht zuletzt die Landschaft. 

Kammerabgeordnete Renate Gebhard dagegen unterstrich ihr ungebrochenes Engagement für die Rentenabsicherung von Frauen: „Die Pflegearbeit von Frauen ist eine tragende Säule der Gesellschaft. Mir geht es dabei nicht nur um das Finanzielle, es geht auch um Würde“, meinte sie. 

Die bayerische Landesbäuerin Anneliese Göller sprach über die wichtige Rolle der Landwirtschaft beim Thema Klimawandel, und Landesrat Arnold Schuler schwor die Landesversammlung für die Selbstversorgung ein: „Unsere Höfe sind eine Lebensversicherung“, erklärte er. Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler unterstrich das: „Auch Energie können wir nicht nur einsparen, sondern auch auf unseren Höfen produzieren“, meinte er.