Markt, Produktion | 12.05.2022

Einkommen langfristig absichern

Eine langfristige Lösung zur Stabilisierung des Einkommens der Milchbauern ist jetzt verfügbar: Das Hagelschutzkonsortium hat in Zusammenarbeit mit dem Sennereiverband Südtirol den Milchfonds I.S.T. gegründet. 30 Prozent zahlt der Bauer selbst in den Fonds ein, 70 Prozent fördert die EU.

Der neue Fonds soll Einkommensschwankungen bei den Milchbauern besser abfedern.

Der neue Fonds soll Einkommensschwankungen bei den Milchbauern besser abfedern.

Das Hagelschutzkonsortium als langjähriger Partner in Sachen Ernteabsicherung und Risikomanagement für die Südtiroler Landwirtschaft hat in seiner Vollversammlung am 28. April in Nals gemeinsam mit dem Sennereiverband Südtirol den sektoralen Mutualitätsfonds I.S.T. Milch für Südtirol gegründet. Das Hagelschutzkonsortium hat alle Voraussetzungen, um einen solchen Fonds zu führen, schließlich verwaltet das Konsortium seit 2020 auch den Mutualitätsfonds I.S.T. Äpfel für Südtirol und hat in diesem Zuge vom Landwirtschaftsministerium Mipaaf die Autorisierung zur Verwaltung eines solchen Fonds erhalten.

Vor allem Produktionskosten stark gestiegen

Ziel eines solchen Fonds ist es, das Einkommen der Landwirte zu stabilisieren und Schwankungen auszugleichen, die auf sinkende Auszahlungspreise oder einen Anstieg der Produktionskosten zurückzuführen sind. Die Milchwirtschaft in Südtirol verzeichnet zwar in den letzten Jahren vielfach stabile Milchauszahlungspreise, jedoch machen die Schwankungen der primären Produktionskosten wie jene für Kraftfutter, Energie, Treibstoff und andere Kosten den Milchbäuerinnen und Milchbauern zu schaffen. Da ein solcher Fonds das Einkommen – also den Erlös abzüglich der Kosten – absichert, kann der Fonds auch allein aufgrund steigender Produktionskosten einschreiten und Einkommensverluste in einem gewissen Rahmen ausgleichen. Eine Analyse der Universität Padua anhand der Daten zweier Milchhöfe aus Südtirol hat ergeben, dass in den Jahren 2013 und auch 2019 bis zu 77 Prozent der Lieferanten einen entsprechenden Einkommensverlust erlitten hatten, den der Fonds auszugleichen vermocht hätte. 

Wie die Ausgleichszahlungen berechnet werden

In anderen Provinzen wurden solche Mutualitätsfonds bereits in den vergangenen Jahren eingerichtet. Für das Jahr 2021 zeigen diese bereits Wirkung, und es könnten Ausgleichszahlungen notwendig werden – vor allem weil der Anstieg der Produktionskosten einen generellen Einkommensverlust für den Sektor von über 15 Prozent zur Folge hat. Damit ist eine der entscheidenden Voraussetzungen – ein sogenannter Event Trigger – erreicht, und der Fonds kann eine Ausgleichszahlung vornehmen. Die Höhe der Vergütung richtet sich dann nach dem Ausfall, den der Einzelne in den Fonds eingeschriebene Betrieb hat. 

Zum Vergleich wird dabei das durchschnittliche Einkommen (in Euro je Kilogramm Milch) der vergangenen drei Jahre herangezogen. Dank der in Vergangenheit einigermaßen konstanten Milchauszahlungspreise und Produktionskosten ist dieses in der Regel höher als das Einkommen, welches für die kommenden Jahre zu erwarten ist. 

Um eine Auszahlung zu erhalten, muss im Einzelfall der Ausfall mindestens 20 Prozent betragen, das ist die gesetzliche Schadensschwelle. Der Fonds selbst kann per Gesetz maximal 70 Prozent des Ausfalles vergüten und muss eine Mindestauszahlung von 20 Prozent garantieren. Der Prozentsatz dazwischen richtet sich nach der finanziellen Verfügbarkeit des Fonds. Dabei zahlt der Landwirt vom vorgesehenen Gesamtbetrag, der in den Fonds einzuzahlen ist, lediglich 30 Prozent aus eigener Tasche. Die restlichen 70 Prozent werden von der EU als Fördermittel draufgelegt. Ersten Analysen zufolge müssen Südtirols Milchbäuerinnen und Milchbauern jährlich einen Durchschnittsbetrag von gut 0,003 Euro je Kilogramm Milch in den Fonds einzahlen. Davon legt die EU dann die weiteren 0,007 Euro je Kilogramm Milch drauf. Wer also z. B. pro Jahr 70.000  Kilogramm Milch an den Milchhof liefert, zahlt pro Jahr 210 Euro in den Fonds ein, die EU gibt 490 Euro dazu. Dabei handelt es sich um Fördermittel, zu denen Landwirte nur über diese Schiene Zugang haben. 

Tiefenthaler: „Geschlossen dem Fonds beitreten!“

Leo Tiefenthaler, Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes, ist überzeugt: „Je mehr Bäuerinnen und Bauern sich am Fonds beteiligen, desto gestreuter ist das Risiko und desto mehr profitiert der Einzelne bei einem Ausfall. Wir hoffen, dass unsere Bauern die Wichtigkeit dieses Fonds erkennen und geschlossen dem Fonds beitreten.“ 

Auch die Südtiroler Milchhöfe rufen die Bäuerinnen und Bauern dazu auf, diese ­Möglichkeit der Einkommensabsicherung zu nutzen. Annemarie Kaser, die Direktorin des Sennereiverbandes Südtirol, berichtet: „Schon seit einigen Jahren beobachten wir, dass auch die Märkte für Milchprodukte immer unberechenbarer werden. Die Pandemie und der Ukrainekrieg haben die Lage nur noch verschärft.“ 

Die Milchhöfe geben ihr Bestes, um so zu wirtschaften, dass für ihre Mitglieder das höchstmögliche Einkommen gewährleistet ist. „Vor allem in solch unsicheren Zeiten führt aber kein Weg daran vorbei, dass der einzelne Betrieb auch selbst eine Vorsorge trifft. Der Mutualitätsfonds ist eine sehr gute Möglichkeit dafür“, unterstreicht Kaser. 

In diesem Fall müssen sich die Landwirte in schwierigen Zeiten auf geringere Unterstützungsbeiträge einstellen. Denn auf EU-Ebene ist klar: Wer seine Hausaufgaben im Bereich Risikomanagement macht und die Möglichkeiten, seine Ernte und sein Einkommen abzusichern, nutzt, wird in Zukunft auch unterstützt. Alle anderen werden das Nachsehen haben. 

Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 9 des „Südtiroler Landwirt“ vom 13. Mai ab Seite 54, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.