Bauernbund, Südtiroler Landwirt | 21.07.2022

Lösungen für die Praxis sind gefragt

Wir brauchen neue Rahmenbedingungen in der Bewirtschaftung der Almen und praxistaugliche Lösungen im Umgang mit dem Wolf. Dies betonten rund 200 Vertreterinnen und Vertreter der Berglandwirtschaft beim ersten Alpen.Gipfel.Europa Ende Juni in Bayern. von Bernhard Christanell

Auch Landwirte und Almbauern tauschten ihre Erfahrungen mit dem Großraubwild aus.

Auch Landwirte und Almbauern tauschten ihre Erfahrungen mit dem Großraubwild aus.

Gleich mehrfach kam im Zelt auf der Unteren Firstalm oberhalb des Spitzingsees in Bayern so richtig Stimmung auf. Einmal, als Sepp Glatz, der Vorsitzende der oberbayerischen Almbauern, das Wort ergriff und seine Meinung zum Thema Herdenschutzhunde kundtat: „Unsere Weidegenossenschaft bräuchte 50 Herdenschutzhunde, um alle Tiere vor dem Wolf zu schützen. So viele Schafe könnten wir gar nicht schlachten, um diese Hunde alle zu füttern!“ 

Almen erst durch Bewirtschaftung zur Kulturlandschaft geworden

Die Almen im Alpenraum seien erst dank der Nutzung durch die Bäuerinnen und Bauern zu jener Kulturlandschaft geworden, in der nun Tausende Menschen aus dem urbanen Raum Erholung suchen. „Die Bewirtschaftung dieser Almen muss auch weiterhin Vorrang haben vor allen anderen Interessen!“, forderte Glatz. 

Zu kippen drohte die Stimmung im Zelt, als Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz vom Podium aus den Anwesenden zu erklären versuchte, dass das Zusammenleben mit dem Wolf möglich sein müsse und schon früher war: „Sonst würden wir doch keine Männer unter uns haben, die den schönen Namen Wolfgang tragen!“, sagte Geilhufe und erntete dafür wütende Proteste. 

Organisiert hatte die Podiumsveranstaltung „Alpen.Gipfel.Europa“ das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt in Zusammenarbeit mit der Allianz für die Berglandwirtschaft – einer Vereinigung zahlreicher bäuerlicher Interessenverbände im Alpenraum. Einen ganzen Vormittag lang gab es eine lebhafte Diskussion zwischen den Politikern sowie Verbandsvertretern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol über Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft der Berglandwirtschaft. Südtirol war beim Alpen.Gipfel.Europa unter anderen mit Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler und Landesrat Arnold Schuler vertreten. 

Eigentlich sollte es beim Treffen auf der Unteren Firstalm auf vielfältige Weise um die Zukunft der Berglandwirtschaft im Alpenraum gehen. Wie schon die beiden eingangs genannten Beispiele zeigen, drehte sich die meiste Zeit doch alles um das Thema Wolf. 

Bedürfnisse der Bergbauern unterstützen

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michae­la Kaniber warb um Verständnis für die Bergbauern. „Unsere wunderschöne Bergwelt steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Viele Menschen suchen in den Bergen Erholung und Ruhe. Dieser Wunsch muss aber mit den Bedürfnissen der Bergbauern in Einklang gebracht werden. Sie sind es, die sich seit Jahrhunderten tagtäglich mit viel Herzblut um unsere wunderschöne Heimat kümmern. Ihre Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde grasen auf den Bergweiden und pflegen so unsere wunderschöne Kulturlandschaft. Wir müssen daher alles tun, um sie dabei zu unterstützen.“ 

Ohne Beweidung geht Lebensraum verloren

Der österreichische Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig sagte: „Die Almwirtschaft hat eine zentrale ökonomische, ökologische und kulturelle Bedeutung für die österreichische Land- und Forstwirtschaft. Bestmögliche Rahmenbedingungen für unsere Bergbauern, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten und einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelversorgungssicherheit leisten, sind mir persönlich ein großes Anliegen. Wenn die Bäuerinnen und Bauern ihre Tiere nicht mehr auftreiben, hat das massive Folgen für die alpinen Regionen. Ohne eine ausreichende Beweidung gehen diese Flächen für die landwirtschaftliche Produktion bzw. als Kulturlandschaft und als Lebensraum für gefährdete Pflanzen und Tiere verloren. Die Bewirtschaftung der Almen muss weiter möglich sein. Dafür braucht es einen Naturschutz mit Hausverstand. Wölfe, die wiederholt Nutztiere reißen, die wiederholt in Siedlungsräumen auftauchen, müssen entnommen werden können.“

Bewusste Entscheidungen für Bergbauernhöfe

Südtirols Landesrat Arnold Schuler machte deutlich, dass es die Berglandwirtschaft ist, die maßgeblich zum Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe in Südtirol beiträgt, hochwertige Lebensmittel produziert und einen unverzichtbaren Beitrag für den Erhalt der Biodiversität und für die Landschaftspflege leistet. 

„Damit die Bewirtschaftung der Bergbauernhöfe langfristig gesichert werden kann, braucht es Strategien, gute landwirtschaftliche Ausbildung, wertschätzende Anerkennung der erbrachten Leistungen und bewusste Konsum­entscheidungen von Einheimischen und Gästen in Südtirol“, sagte Schuler. 

Tiefenthaler: Gefährliche Tiere entnehmen

Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler untermauerte die Forderung der Südtiroler Bäuerinnen und Bauern nach einer möglichen Entnahme gefährlicher Tiere: „Aus Rom, das in unserem Fall eigentlich für den Managementplan zuständig wäre, ist leider keine Hilfe zu erwarten. Auch in Brüssel ist es schwer, Mehrheiten für eine Senkung des Schutzstatus zu finden. Wir haben nur eine Chance, wenn wir uns im gesamten Alpenraum zusammentun und unsere Stimme erheben!“


Den ganzen Bericht finden Sie ab Freitag in der Ausgabe 13 des „Südtiroler Landwirt“ vom 22. Juli ab Seite 12, online auf „meinSBB“ oder in der „Südtiroler Landwirt“-App.