Produktion | 01.09.2022

Goldgelbe Vergilbung

Die Goldgelbe Vergilbung ist eine echte Bedrohung für den heimischen Weinbau, warnt das Konsortium Südtirol Wein. Mitte August ist das Monitoring 2022 gestartet.

Für die Goldgelbe Vergilbung besteht eine Melde- und Rodungspflicht.

Für die Goldgelbe Vergilbung besteht eine Melde- und Rodungspflicht.

Seit Jahren kann beobachtet werden, wie sich die Blätter einiger Rebstöcke gelblich oder rötlich verfärben und an den Rändern nach unten einrollen. Wie das Konsortium Südtirol Wein in einer Aussendung feststellt, handelt es sich dabei sehr oft um die nicht heilbare Goldgelbe Vergilbungskrankheit. Die Zahl der befallenen Rebstöcke steige jährlich exponentiell. Das Konsortium Südtirol Wein hat deshalb bereits in der Vergangenheit ein Monitoring gestartet, das heuer wieder aufgenommen und aufgrund der Brisanz ausgedehnt werden soll. „Von 16. August bis 30. September gehen geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Rebanlagen, markieren symptomatische Rebstöcke mit einem gelb-schwarzen Band und informieren erstmals über eine eigens dafür entwickelte App den Landwirt, den Pflanzenschutzdienst, den Beratungsring und den jeweiligen Kellereibetrieb über die betroffene Parzelle“, erklärt Andreas Kofler, Präsident des Konsortiums Südtirol Wein. „Wir starten das Monitoring im Unterland und Überetsch, den am stärksten betroffenen Zonen. Kontrolliert werden alle Rebanlagen mit Chardonnay und Pinot grigio, da diese beiden Sorten bisher am stärksten betroffen waren. Alle Anlagen im zweiten und dritten Standjahr stehen ebenso auf der Prioritätenliste. Anschließend wird in den anderen Weinbauzonen Südtirols nach dem gleichen Schema vorgegangen“, fasst Hansjörg Hafner, Bereichsleiter Weinbau beim Südtiroler Beratungsring, die Vorgehensweise des Monitorings zusammen. 

Eigenverantwortung notwendig

„Für die Goldgelbe Vergilbung besteht eine Melde- und Rodungspflicht, nicht bewirtschaftete Rebhänge müssen laut EU-Verordnung gerodet werden“, betont Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler und bittet Weinbäuerinnen und  Weinbauern, die Sache ernst zu nehmen: „Wir können diese Krankheit nur gemeinsam bekämpfen, sonst bekämpft sie uns.“ 

Angesetzt werden müsse auf vier Ebenen, wie es in der Aussendung des Konsortiums Südtirol Wein heißt: Zum einen muss vorgebeugt werden, indem nur gesundes Pflanzgut gepflanzt wird. Zweitens müssen die Reben auf Befall kontrolliert werden. Wird ein solcher festgestellt, muss die kranke Rebe mit dem gesamten Wurzelstock gerodet werden. Und viertens muss gegen den Überträger, die Amerikanische Rebzikade, vorgegangen werden. Stefano Endrizzi, Verantwortlicher des Pflanzenschutzdienstes, führt aus: „Die Rodung der betroffenen Rebstöcke muss innerhalb von 15 Tagen erfolgen. Wir bitten inständig, dies auch zu tun, andernfalls werden Strafen folgen. Auch für die Bekämpfung der Zikade wurden für jede Weinbauzone Südtirols Vorgaben erarbeitet: In allen Rebanlagen in den Gemeindegebieten von Salurn, Margreid, Kurtinig, Kurtatsch, Tramin, Neumarkt, Montan, Pfatten, Auer, Eppan, Kaltern, Bozen und Klausen müssen zwei (drei im Bioanbau) Behandlungen gegen Scaphoideus titanus durchgeführt werden. In den anderen Weinbauzonen wird die Behandlung stark empfohlen.“

Trotz aller Maßnahmen ist davon auszugehen, dass die Goldgelbe Vergilbung nicht vollständig ausgerottet, aber hoffentlich in einem erträglichen Ausmaß gehalten werden kann. „Dies ist für den Südtiroler Weinbau wichtig“, sagt Andreas Kofler und betont, dass die Pflanzenkrankheit zwar für die Reben eine große Gefahr, für die Bevölkerung aber zum Glück unbedenklich ist.